Die Löschfahrzeuge der FF Rudow

Feuerwehrleute haben von Altersher eine besondere Bindung und Beziehung zu ihren Fahrzeugen.
Nach den Kameraden ist es das Fahrzeug, auf das man sich im Einsatzfalle verlassen können muß.

Ebenso geht es den Kameraden der FF Rudow.

Im Folgenden werden die verschiedenen Löschfahrzeuge vorgestellt, die die Wehr in ihrer über hundertjährigen Geschichte begleitet haben.

Bei dem ersten Löschfahrzeug der FF Rudow handelte es sich um eine von Pferden gezogene Handdruckspritze, wie sie zur damaligen Zeit noch sehr verbreitet war. Diese Handdruckspritze war sogar noch bis weit in die 30er Jahre bei der FF Rudow im Einsatz.

Pferdegezogene Handdruckspritze
Kraftzugspritze KS 80

Mit dem Aufbau des Luftschutzes im Dritten Reich bekam auch die Rudower Wehr ein motorisiertes Fahrzeug. Ein Kraftfahrzeug mit Tragkraftspritzenanhänger.

Seit Mitte der fünfziger Jahre gehörte dann das Modell LF 16 Magirus Deutz 150 D Merkur mit Glasenapp-Aufbau zum Fahrzeugpark der FF Rudow. Dieses LF 16 war dann bis zum Umzug in das neue Wachgebäude 1977 im Dienst. Aus Platzgründen wurde das TLF 16 – auch ein Magirus -Deutz 150 D Merkur – nur in den Sommermonaten auf dem Hof der Wache in der Köpenicker Str., 198 in Dienst genommen. Auch das änderte sich dann mit dem neuen Wachgebäude.

LF 16
TLF 16

Fahrzeugdaten:
Magirus – Deutz LF16 / TLF 16
Hersteller und Typ; Magirus – Deutz Mercur 150 A
luftgekühlter V 6 Deutz Dieselmotor Typ F 6 L 714
Leistung 150 PS Hubraum 9500cm³

Antrieb: Allrad mit Differentialsperre
Bremse druckluftunterstützte hydraulische Bremse

Länge :8350 mm
Breite : 2270 mm
Höhe : 2750 mm
Radstand 4200 mm
zul Ges. Gewicht : 10400 kg

Zum neuen Wachgebäude in Alt – Rudow 67, gab es dann 1978 sogar neue Löschfahrzeuge:

1 LF 16 B – 2102 sowie ein TLF 16 / 20 W B – 2222.

Beide Fahrzeugtypen stammten von MAN und wurden von der Firma Bachert aufgebaut. Das besondere: erstmals bekam eine FF 2 fabrikneue Fahrzeuge. Beide Löschfahrzeuge waren mit Automatikgetrieben ausgestattet. Auch in der Beladung des LF 16 gab es eine Neuerung. Ausgestattet mit pneumatischen Hebekissen war es das erste Löschfahrzeug der Berliner Feuerwehr, das mit diesen Hebegeräten serienmäßig ausgeliefert wurde. Von diesen LF 16 mit Automatikgetriebe wurden übrigens nur 2 Stück für ganz Berlin angeschafft. Dieses LF 16 blieb bis 1984 in Dienst.

LF 16 B – 2102
TLF 16/20 W B – 2221 und B – 2222

Das TLF 16 / 20 W bot durch seinen auf der Fahrzeugkabine angebrachten Wasserwerfer einen sehr imposanten Anblick. Auch hier eine kleine Besonderheit:
das TLF war das erste bei dem alle Gerätefächer mit Aluminiumjalousien verschlossen waren. Auch von diesem Modell wurden berlinweit nur 2 Fahrzeuge angeschafft. Und zu einer weiteren Kuriosität:
Beide Modelle versahen auf der FF Rudow ihren Dienst.

Das TLF B-2222 wurde 1978 auf Rudow neu in Dienst gestellt. 1984 wurde dann ein Tausch vorgenommen und somit kam das Schwesterfahrzeug B-2221 zur FF Rudow. Hier versah es dann seinen Dienst bis zur Aussonderung 1999

Da die LF 16 für eine technische Hilfeleistung nicht ausreichend ausgerüstet waren und auch nicht mehr aufgerüstet werden konnten, entwickelte die Berliner Feuerwehr einen neuen Fahrzeugtyp. Ein Fahrzeug was sowohl für technische Hilfeleistung und Brandbekämpfung ausgerüstet ist. Es entstand einen vollkommen neuer Fahrzeugtyp:
Das LHF 16 /16 (Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug).
Da zu diesem Zeitpunkt der „Hauslieferant“ MAN kein passendes Fahrgestell anbieten konnte, wechselte die Berliner Feuerwehr zu Mercedes Benz. Erstmals kamen sog. Frontlenker zum Einsatz, die auch an den Maschinisten neue Anforderungen stellten. 1984 wurden die ersten 9 LHF bei der Berliner Feuerwehr in Dienst gestellt. Um mit diesen Fahrzeugen umfangreiche Erfahrungen zu sammeln, wurden diese 9 Fahrzeuge im Stadtgebiet verteilt. Auch eine FF sollte an dieser Studie beteiligt werden. Die Wahl viel auf die FF Rudow. Somit waren die Rudower die erste FF in Berlin, die mit so einem hochmodernen Einsatzmittel ausgestattet wurden.
Seitdem gehört das LHF zur Grundausstattung jeder BF und FF in Berlin.

LHF 16/16 AD
LHF 16/16 B- 2249

Die ersten LHF 16 / 16 waren nur für eine Fahrzeugbesatzung von 7 Mann ausgelegt, doch ergaben mittlerweile Erfahrungswerte, dass eine Gruppenkabine vorteilhafter sei. Bei der BF waren keine Plätze für Auszubildende und Praktikanten vorhanden und bei den Freiwilligen Feuerwehren mit einer doch größeren Personaldecke fehlten diese Sitzplätze auch.
Mittlerweile konnte auch der Fahrgestell-Lieferant MAN wieder passende Fahrzeuge anbieten, so dass die Berliner Feuerwehr sich wieder für diese Marke entschied. Es erschienen nun größere LHF 16/16, die eine geräumige Mannschaftskabine und übersichtlichere Geräteräume boten.
Das erste Modell B-2218 hielt dann 1994 Einzug bei der FF Rudow. 1998 bekam die FF mit dem LHF 16/16 B- 2249 eines der letzten der Generation der „Großen“.

Fahrgestell: MAN 14.232 F
Motor: MAN – 6-Zylinder – Reihenmotor mit 230 PS
Gesamtabmessungen:
Länge: 7600 mm, Breite 2500 mm, Höhe 3100 mm
Radstand: 4200 mm
Mannschaftskabine: MAN – Wittlich Aufbau
Feuerlöschkreiselpumpe: FP 16 / 8 Ziegler
Lackierung: RAL 3024
Sitzplätze: 9 Sitzplätze in der Gruppenkabine
Löschwasserbehälter: 1600 Liter
Schaummittelbehälter: 400 Liter

Nach der Aussonderung des TLF 16 /20 W im Jahre 1999 hielt dann für einen kurze Zeit der Typ LHF 16/16 CD Einzug in der FF Rudow.
B – 2158
Nach den Erfahrungen mit den ersten 18 LHF 16/16 AD und BD, bei denen sich die hohe Mannschaftskabine als nachteilig erwiesen hatte, wurde dieser Typ entwickelt. Hier wurde nun die Mannschaftskabine tiefer gelegt und weiter über die Vorderachse gezogen. Dadurch wurde das Fahrzeug flacher, aber auch länger. In den Berliner Feuerwehrkreisen bekam dieser Fahrzeugtyp den netten Spitznamen „Dackel“. Die ersten Modelle wurden noch von der Firma Bachert verwirklicht. Nach dem Konkurs dieses Herstellers wurden die weiteren „Dackel“ von der Firma Ziegler gefertigt. Einige LHF 16 wurden im Rohbau durch den Konkurs überrascht. So wurden diese, noch nicht fertigen, Bachert – Fahrzeuge bei Ziegler endgefertigt. Man konnte also Zieglerfahrzeuge mit Bachertpumpen in Berlin antreffen.
Dieses LHF war dann von 2001 bis 2003 als LHF-TR ( TR= Trupp ) bei der Rudower Wehr im Dienst.

LHF 16/16 – “Dackel-LHF” Mitte 1980er bis Mitte 1990er

Zul. Gesamtgewicht: 13.300 – 13.600 kg
Radstand: 3.600 – 4.200 mm
Wendekreis: 14.500 mm
Motorleistung: 163 – 232 PS
Länge: 8.850 mm

LHF 16/16 CD (Dackel)
LHF 16/12 B-2195

Mit den größeren LHF 16/16 ergaben sich aber auch andere Probleme. Der Straßenverkehr in Berlin machte schnellere und wendigere LHF nötig. Um sich dieser Situation anzupassen, wurde eine kleinere Variante des LHF entwickelt:
Das City-LHF.
Erstmalig wurde dieser Fahrzeugtyp auf der Interschutz 1994 vorgestellt. Dieses Fahrzeug hat sich dann als das Standard-Löschfahrzeug der Berliner Feuerwehr durchgesetzt. Im Jahr 2000 stand dann diese Fahrezeuggeneration in der Rudower Halle. Ein LHF 16/12. Aufbauhersteller hier die Firma Ziegler. B- 2195

Auch bei den City-LHF´s ging die Entwicklung weiter. Nun zählten unter anderem eine fahrbare B-Haspel sowie ein tragbarer Drucklüfter zur Beladung. Der Aufbauhersteller war nun die österreichische Firma Rosenbauer, die B Nummer nun B-2817.

LHF B-2817
LHF 16/12 B-2009

Dieses LHF war ab 2003 bei der FF Rudow. 2009 erfolgte wiederum eine Neuerung; diesmal auch nach außen sichtbar: Eine Variation mit reflektierender Folienbelebung und Umfeldbeleuchtung.
Aufbauhersteller Rosenbauer B-2009

City-LHF 16/12 seit 1991
Zul. Gesamtgewicht: 10.500 kg
Radstand: 3.650 mm
Wendekreis: 13.200 mm
Motorleistung: 220 PS
Länge: 6.640 – 7.570 mm
Breite: 2.300 mm
Höhe: 3.000 mm

Die Rettungsfahrzeuge der FF Rudow

Eine der vielen Aufgaben der Rudower Freiwilligen ist seit langer Zeit auch der Rettungsdienst. Von den ersten Anfängen bis zur hochqualifizierten Rettungstätigkeit in unserer Zeit begleiteten natürlich auch die dem entsprechenden Fahrzeuge die Kameraden.

Hier der Versuch einer kleinen Chronologie.
Da Rettungsdienstfahrzeuge einem höheren Verschleiß als Löschfahrzeuge unterliegen und somit auch bei der FF Rudow ein häufiger Fahrzeugwechsel stattfand, ist es leider nicht mehr möglich, alle Fahrzeugtypen, geschweige denn, die dazugehörigen B-Nummern zu ermitteln.

Bereits kurz nach Kriegsende im Sommer 1945 wurde ein Peugeot Lieferwagen von den Kameraden ausfindig gemacht und in Eigenregie zu einem Krankenwagen ausgebaut. Bilder oder nähere Daten sind zu diesem Fahrzeug leider nicht mehr bekannt.
1950 erschien mit dem Modell T1 von VW ein Basisfahrzeug, das auch bei der FF Rudow, abgesehen von einigen Modellerneuerungen bis 1983 im Dienst war. Einzig die Bezeichnung des Fahrzeuges änderte sich . So hießen diese Fahrzeuge anfangs Shw ( Schnellhilfewagen ), Uw ( Unfallwagen ) und zuletzt Ktw ( Krankentransportwagen ).

Ktw VW Bus
RTW MB L 408

1983 erschien dann mit dem Modell Mercedes Benz MB L 408 ein geräumigeres Fahrzeug, das nun die Bezeichnung RTW (Rettungstransportwagen) bekam. Viel Platz im Krankenraum erleichterte das Arbeiten. Auch für den Maschinisten (Fahrer) war es komfortabel… besaß dieses Fahrzeug doch ein Automatikgetriebe und eine Servolenkung. Dafür hatte das Gefährt aber auch einen sehr durstigen 80 PS Benzinmotor.

Dieser RTW ist nun ein etwas kleineres, aber auch kompakteres Fahrzeug. Die ersten Modelle dieses RTW warteten allerdings mit einem nur 65 PS starken Motor auf. Schaltgetriebe und normale Lenkung waren allerdings nicht das Highlight des Fahrzeuges. Mit den Jahren gab es immer wieder Aktualisierungen. Um weiteres Rettungsdienstmaterial aufnehmen zu können, verschwand unter anderem das linke Seitenfenster im Krankenraum, um Platz für einen Schrank zu schaffen, die Hecktüren wurden größer und es gab zum Schluß sogar einen elektrischen Hubtisch für die Krankentrage. Auch Rettungsdienstgerätemäßig wurden diese RTW in ihrer Dienstzeit immer wieder auf den neuesten Stand gebracht. Waren bei den ersten Fahrzeugen noch Schaufeltrage und Vakuummatratze die Neuerungen, folgten mit den Jahren halbautomatische Defibrillatoren und weitere hilfreiche Rettungsdienstmaterialien. Von ursprünglich 2 Blaulichtern mit Drehspiegeln hatte schließlich die Endversion dann 3 blaue Blitzleuchten und war somit an der Einsatzstelle besser zu erkennen. Auch fahrwerkstechnisch änderte sich einiges, der Motor hatte am Ende 80 PS und wieder eine Servolenkung. In der Rudower Truppe versah über die Jahre jede RTW Modellvariante der Berliner Feuerwehr ihren Dienst. Einge ermittelte B-Nummer zu den FF RTW´s lauten B-2517, B-2631,B-2422, B-2517 und B-2417 Das letzte Modell war dann der RTW MB 308 B-2367, der bis in das Jahr 2003 seinen Dienst in Rudow leistete.

RTW MB 308
RTW MB Sprinter

Durch eine zweckgebundene Erbschaftsspende an die Freiwillige Feuerwehr Rudow konnte dann ein RTW vom Typ Mercedes Sprinter B-2447 für die Wehr beschafft werden.

Dieses Modell zeichnet sich durch einen größeren Kofferaufbau in Modulbauweise aus. Auch die Rettungsdienst spezifische Ausrüstung ist auf den aktuellen Stand. Ein automatisiertes Schaltgetriebe und Servolenkung lassen das 109 PS leistende Fahrzeug bequem zum Einsatz rollen. Dieser RTW blieb bis April 2012 im Dienst der Rudower.

Da der RTW B-2447 mittlerweile doch in die Jahre gekommen war, wurde im April 2012 ein Fahrzeugtausch vorgenommen. Somit kam der RTW B-2530 zur Rudower Wehr. Mit diesem RTW , auf Mercedes-Benz Sprinter NCV 515 CDI mit Aufbau der Firma Fahrtec, ist die FF Rudow wieder auf dem modernsten Stand der Rettungsdienstätigkeit.

RTW MB Sprinter B-2530